Documenta Sixteen
D16 lädt all jene ein, die fallen, tanzen und sich erheben, um einander zu begegnen. In unserem kreativen Schaffen teilen wir die Verantwortung für gegenseitigen Respekt und Schutz. Kassel bietet Raum für Vertiefung, Experimente und Erkenntnis, wo Künstler*innen neben ihrem Schaffen das Recht haben, ihre Stimme zu erheben. So können wir beobachten, wie sich unsere affektiven Beziehungen zu Symbolen in soziale Milieus entladen. D16 wird zu einer dialogischen Arena für transkulturelles Denken, in der Gäste sich auf Augenhöhe begegnen und Kommunikationswege schaffen, wo zuvor keine bestanden. Genau darin liegt unser Ziel: Verbindungen zu knüpfen, die gebraucht werden und solche, von denen wir nicht wussten, dass wir sie brauchen.
Nach dem ersten Viertel des einundzwanzigsten Jahrhunderts lässt sich die globale Lage sowohl in wohlhabenden als auch in entrechteten Weltregionen als ein Zustand gescheiterter Erwartungen beschreiben. Die Beispiele sind zahlreich und wohlerprobt. Wir sehen uns mit Kriegen, Massenvertreibung, ökologischen Katastrophen, ungezügelter technologischer Ausbreitung, aufsteigenden Autokratien, Rechteabbau und einer generellen Missachtung menschlichen Lebens konfrontiert. Auch wenn Ästhetik allein unsere Lebenswirklichkeit nicht zu verändern vermag, bleibt die Kunst jedoch eine Form des Denkens in der Gegenwart. Von Boston bis Bratislava, im Spannungsfeld nationalstaatlicher Projekte und kultureller Sphären, Kunst schafft Räume, in denen Menschen sich in Mikrokosmen selbstbestimmter Diskurse begegnen.
Anstatt Ereignisse aufzulisten, würdigt D16 Künstler*innen, die auf existenzielle und materielle Instabilität reagieren und Strategien für ein Leben inmitten planetarer Unbestimmtheit entwickeln. Für viele Künstler*innen weltweit sind diese Umstände keine Ausnahme. Sie bilden die Bedingungen ihres alltäglichen Lebens, und das Wissen, das sie daraus schöpfen, ist aufschlussreich. Aus enttäuschten Versprechungen heraus können wir in durchbrochener Logik, flacheren Hierarchien und nichtlinearem Denken Orientierung finden. Dies sollte präzise und ohne Furcht vor dem, was unergründlich bleibt, geschehen. Mögen unsere Zukünfte bessere Geschichten kennen als jene, die wir geerbt haben.